July 30, 2016, | 0 Comments

Tamilische Traumhochzeit: Hi, Bye, Selfie?!

Immer wenn ich auf einer tamilischen Hochzeit bin, am Besten mit über 1000 Gästen (90 % davon hat das Brautpaar noch nie im Leben gesehen und sie sehen sie auch nie mehr wieder, außer vielleicht, wenn sie selbst wieder ein Fest haben und man wieder ein 'Vanakkam & poidu varom' auf der Bühne austauscht – aber was soll’s!

Immer wenn ich auf einer tamilischen Hochzeit bin, am Besten mit über 1000 Gästen (90 % davon hat das Brautpaar noch nie im Leben gesehen und sie sehen sie auch nie mehr wieder, außer vielleicht, wenn sie selbst wieder ein Fest haben und man wieder ein 'Vanakkam & poidu varom' auf der Bühne austauscht – aber was soll’s! Hauptsache ‘ne XXL-Hochzeit, mit der man dann protzen kann), finde ich es jedes Mal voll amüsant, wie alle nur auf das Essen warten, damit die Männer das dann schnell 'hinunterwürgen' können und sich dann allesamt auf die Bühne stürzen.

Vandachu, sapudachu, iranguvom a?

Der halbe Saal steht dann vorne bei der Bühne und wie sich da manche aufführen, da geht es dann immer ab, wie im Zirkus – richtig unschöne Szenen. So als würden sich alle denken: ‘Vandachu, sapudachu, Pflicht erfüllt also nichts wie weg hier.’ Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass die meisten Gäste nicht kommen, weil sie wirklich dabei sein wollen und weil ihnen die Hochzeit etwas bedeutet, sondern nur, weil sie müssen bzw. ‘moikasu’ (zu Deutsch: Geldgeschenke) ausstehend haben. Oder aber, um sich zu zeigen, zu tratschen und nebenbei Selfies zu schießen … um das Brautpaar geht es den wenigsten.

Persönliche Hochzeit? Fehlanzeige.

Oft müssen die Gastgeber sogar das Essen zurückbehalten, weil sie befürchten, dass sich ansonsten der Saal leert, bevor die Feier zu Ende ist, weil nach dem Essen alle gleich nach Hause wollen. Ich frage mich immer wieder, wieso man sich so etwas antut, vor allem als Brautpaar. Wünscht man sich nicht eine persönliche Hochzeit? Es ist doch ein wichtiger und bedeutungsvoller Schritt, den man im Leben geht. Möchte man so einen Moment nicht mit den engsten Freunden und Verwandten teilen und erleben, mit denen man lange befreundet ist und regelmäßig zu tun hat? Sind weniger Gäste und dafür feiern im engsten Kreis nicht viel schöner? Mit Menschen, die wirklich dabei sein möchten und es sich auch nicht nehmen lassen würden, bis zum Schluss da zu sein?

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Hochzeit im ganzen Land?

Versteht mich nicht falsch, ich finde unsere Hochzeiten und unsere ganze Kultur an sich sehr schön. Aber mittlerweile hat das ein Ausmaß angenommen, da haben für mich die Hochzeiten heutzutage an Charakter und Persönlichkeit verloren. Und irgendwie wird das immer schlimmer: Die Hochzeiten entwickeln sich immer mehr zu einem Wettkampf. Es geht mehr darum, wer die beste und teuerste Hochzeit hat und wer mit seiner Hochzeit alle anderen überbieten kann, koste es, was es wolle. Ganz egal, ob man sich das eigentlich leisten kann. Und für wen das Ganze? Nicht für sich selbst, sondern für andere. Und dabei wird die eigentliche Bedeutung in den Hintergrund verdrängt. Und das finde ich schade.

Gott, wann hab’ ich das endlich hinter mir?

Unter Traumhochzeit verstehe ich etwas anderes. Es ist eines der wichtigsten Tage im Leben. Ich finde, man sollte die eigene Hochzeit genießen und ausgiebig mit seinen Freunden feiern können, indem man mit ihnen spricht, zusammen Zeit verbringt, lacht und einfach den Moment in vollen Zügen genießt. Das sind für mich wahre Erinnerungen, die auf keiner Hochzeit fehlen dürfen und an die man sich auch nach Jahren gerne zurückerinnert. Und unter Genießen verstehe ich nicht, sich zwanzigmal (unter Zeitdruck) umzuziehen und seine Gäste warten zu lassen, nur um sich dann zum x-ten Mal in einem neuen Outfit präsentieren zu können. Und das ganze Theater geht dann wieder von vorne los. Das heißt: Wieder stundenlang auf der Bühne stehen und zigtausend Mal die gleichen langweiligen 0815-Fotos schießen, ein mühsames Lächeln aufsetzen und seinen Gästen höchstens ein 'Hi' und ein 'Bye' geben (mehr Zeit bleibt ja nicht) und sich dabei innerlich qualvoll denken: 'Gott, wann habe ich das endlich hinter mir?'

Und was bleibt am Ende? Eine qualvolle Erinnerung, ein Loch im Geldbeutel und ein Hochzeitsalbum voll mit Menschen, wovon man nur die wenigsten beim Namen nennen kann.

Foto Creative Commons CC0: rajeshkoiri007


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