My big fat Tamil Wedding: Der Aufstieg der Cinderella & das Wiedersehen nach der Flucht

Tamil Wedding by Saad

Zustimmende Kommentare zu ihrem Artikel “Tamilische Traumhochzeit: Hi, Bye, Selfie” bei TamilCulture würde sie genug bekommen, daran hatte ich keine Zweifel. Schließlich entsprach ihr Text der mehrheitlichen Meinung von Heiratswilligen mit tamilischen Wurzeln und zum anderen war er auch schön geschrieben.

[Anmerkung der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine erklärende Antwort auf den bei TamilCulture Germany erschienen Artikel Tamilische Traumhochzeit: Hi, Bye, Selfie]

Hochzeit ohne Einladungskarten, dafür aber Quer-durchs-Land Tickets für alle

„Bei meiner Hochzeit gibt es keine Einladungskarten, es gibt für jeden ein „Quer-durchs-Land“-Ticket und dies ausschließlich für unsere Familie, unsere Eltern und vielleicht unsere Geschwister“, diese Aussage habe ich schon zu oft lachhaft gegenüber meinen Mitmenschen zum Ausdruck gebracht, um ihnen meine Vorstellung von Intimität vorzulegen. Meine Vorstellung von Ehe beschränkt sich auf die Zusammenführung zweier Familien und Familie, das sind Eltern und Geschwister. Lediglich ihnen gegenüber verpflichte ich mich mit dem “Ja-Wort” und so sind mehr Gäste auch nicht erforderlich. Doch gleichzeitig verwerfe ich den Gedanken und plane auch meine imaginäre Hochzeit im selben Stil der unzähligen Arrangements auf denen ich Gast war.

Warum sind unsere Hochzeiten unpersönlich?

Zur Beantwortung dieser Frage ist es unentbehrlich den europäischen Kontinent zu verlassen und eine Reise zurück auf die Perle des indischen Ozeans aufzunehmen. Schließlich verbirgt sich hier der Ursprung der tamilischen Kultur und bildet bis heute den Leitfaden für den Lebensstil der weltweit residierenden Tamilen.

Einige unserer Eltern mögen es eventuell verdrängt haben, aber die meisten kommen aus Gegenden, wo reichhaltiges Essen kein täglicher Bestandteil war. Inmitten täglicher Arbeit auf dem Felde, der Schulbildung der Kinder und den heranwachsenden politischen Unstimmigkeiten, war eine Hochzeit die wohlgewollte Abwechslung. Ein Phänomen welches nicht nur im fernen Osten, sondern auch im nahen Osten und einst auch in Zentraleuropa ausgelebt wurde. Lange Tischreihen ziehen sich durch den Garten bis hin zur Straße und Menschen allerorts nehmen an der Festlichkeit teil, unabhängig ihres Verwandschaftverhältnisses oder Freundschaftbündnisses und so würde der gute alte Mann das Schicksal seiner jüngsten Tochter ausrufen:

„Meine Tochter Nilani wird sich mit dem Bauerssohn Ramnujan vermählen.“

Wann: Sonntag!

Die Uhrzeit ist irrelevant – denn jeder dem es danach war, würde vorbeikommen. Unter Blumengirlanden und auf Bananenblättern, würde er das Festessen zu sich nehmen und sein gestillter Hunger wäre der größte Segen für das Brautpaar. Die Idylle mag vielleicht überkochen, denn hinter dieser Fassade lungern Familiendramen und Mitgiftsverhandlungen, sowie der um seine Jugendliebe trauernde Fischerssohn Raavanan, aber so ist das mit der Liebe und der Ehe.

Der akribisch geplante Aufstieg zur Cinderella

Nun aber zurück in die Heimat – Deutschland. Umgeben von den himmlischen Hochzeiten der europäischen Gesellschaft, sind auch wir von den Pferdekutschen, dem DJ sowie dem Feinkost-Catering angetan. Wer von uns ist nicht schon einmal beim Durchzappen des Fernsehers auf „My big fat wedding“ gestoßen und konnte nicht weiter umschalten, weil die Batterie streikte? Für uns Frauen verdient dieser Tag die Höchstpriorität und jedes Aschenputtel unter uns, plant akribisch ihren Aufstieg zur Cinderella. Die Kombination dieser Vorstellung mit der Gästeliste meiner Eltern, die kein Königreich begründen, lässt selbst die Wallstreet erschüttern. Für zehn Tische kann man durchaus beim Floristen Blumen bestellen, doch bei dem zehnfachen der zehn Tische, bedarf es auch hier einer Neukalkulierung. Es mag spöttisch klingen, dass ich bei Blumen knausere, aber wer zum Floristen geht und besteckte Blumen ordert, wird anschließend zur nächsten Wiese gehen und Gänseblümchen pflücken.

Mahmas, Auntys und wer kommt noch alles zur Hochzeit?

Lasst uns doch provisorisch meine Gästeliste entwerfen. Da gäbe es meine Eltern mit ihren Geschwistern und ihren Cousins. Da ich teilweise den Cousins von meinen Eltern näher stehe als den Geschwistern, sind sie unentbehrlich. Nun die tamilischen Familien aus meiner Kleinstadt. Das sind „Mahmas und Auntys“ die mich seit meiner Geburt kennen und mit ihren Kindern habe ich auf dem Bolzplatz gespielt. Allerdings gibt es in unserer Stadt noch weitere drei oder vier Familien. Wäre es nicht unhöflich, jene nicht einzuladen? Wenn man Siva Mahma einlädt, müsste man doch auch Nathan Mahma einladen – ihr kennt die Probleme! Dann gibt es die ehemaligen Dorffreunde meiner Eltern, die auch in Deutschland wohnen. Der Kontakt mag zwar abgenommen haben, aber einst saß man auf der gleichen Schulbank. Die einen oder anderen sind durch Sport-, Bildungs-, und politische Einrichtungen mit weiteren Tamilen befreundet. Achso und „last but not least“ natürlich meine Freunde – die hätte ich fast vergessen. Nun müsst ihr diese Liste mal zwei rechnen, denn ich kann mir denken, dass mein Göttergatte auch ähnliches vorweisen kann.

Welchen Sinn und Zweck hat es also, dass unsere Hochzeiten jener von Kate und William in Konkurrenz stehen?

Mit Kamal Hassan auf der Hochzeit – ein Traum?

Vor Kurzem war ich auf einer Hochzeit im Ausland. Papas Schwestern und andere Auntys aus dem Dorf standen beisammen und fügten unter leisem Kichern hinzu: „Schon gehört, Kesawan, ist wohl aus Dänemark da.“ Wie die wilden Hühner kicherten sie und warteten auf sein Eintreffen – ich ließ mir sagen, dass er wohl der „Kamal Hassan“ des Dorfes gewesen sei. Für jene die ihn nicht kennen, er ist der charmante, belesene Schauspieler, der sämtliche Frauenherzen der südindischen Filmindustrie hat höher schlagen lassen. Kurze Zeit später, kam ein mittlerweile halbes Jahrhundert alter Mann mit drei Kindern und Halbglatze durch die Tür. Es mag eine Beleidigung für Kamal Hassan sein, aber das Glänzen der Augen von diversen Auntys war unübersehbar.

Meine Hochzeit wird ein Ort des Wiedersehens & Neukennenlernens

Unsere Hochzeiten sind die Gelegenheit, Familien und alte Freunde zusammenzuführen. Unsere Eltern haben nicht ihre Sachen gepackt und eine Abschiedsparty gegeben. Nein! Sie wurden durch den Krieg auseinandergerissen. Meine Hochzeit wird ein Ort sein, wo sich diese Menschen nach zwanzig Jahren wiedersehen. Der Ort, wo mein kleiner Cousin 25. Grades die Cousine meines Ehemannes erstens Grades kennenlernen wird und einen schöneren Segen wird es für mich nicht geben.

Mein liebster Göttergatte, ich wünsche mir, dass unsere Hochzeit folgendes bietet: Gutes Essen und gute Musik – ein Ort für das Wiedersehen und Neukennenlernen.

Gruß

கசக்கிய கடிதம்

 

Photo Creative Commons: Saad


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Thaksuhakca Shakespearenathan

Thaksuhakca Shakespearenathan

Man munkelt, ich habe ähnlich viele Facetten, Gesichter, Stile und Geschichten wie mein Mahma Shakespeare. Unter dem Pseudonym Thaksuhakca Shakespearenathan veröffentlichen verschiedene Autorinnen & Autoren, die gerne anonym bleiben wollen oder deren Text dies verlangen. Falls Du auch gerne anonym Deine Geschichte erzählen willst, dann melde Dich unter info@tamilculture.com oder auf Facebook unter https://www.facebook.com/TamilCultureDE.

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